Chronik

Vereinsgeschichte des GTEV Steinhöring "Die lustigen Ebrachtaler"

In der Ortschaft Steinhöring,

steinhoering

die zwischen Jungmoränen im Ebrachtal ca. sieben km östlich von der  Landkreisstadt Ebersberg liegt,
ist die Wiege des GTEV Steinhöring "Die lustigen Ebrachtaler" 
Der Name "Steinhöring" geht bis ins 9. Jahrhundert zurück.
In Gegenwart von Bischof Hippo von Freising übergab am 15. Januar 825 ein Rihpald mit seiner Gattin Lantrude
seinen Besitz zu "Steinheringa" der Kirche und der heiligen Maria. Die Pfarrkirche erscheint 1442 zum letzten Mal unter dem Patronat der hl. Maria,
war aber bis in die Zeit des 3O-jährigen Krieges noch Marienwallfahrtsort.
Die St. Gallus geweihte Steinhöringer Pfarrkirche wurde 1480 im spätgotischen Stil erbaut, 1727 barockisiert und 1849 verlängert.
Heute ist Steinhöring mit ca. 3900 Einwohnern (Stand 2015) und mit über 3600 Hektar die flächenmäßig zweitgrößte Gemeinde im Landkreis Ebersberg.
 
 

Chronik des GTEV Steinhöring "Die lustigen Ebrachtaler"

Von der Gründung 1921 bis zur Auflösung 1936 
Der "Ruaß-Sepp" hieß mit richtigem Namen Josef Angermayer, stammte aus Ebersberg und schuldete seinen Spitznamen seinem Beruf als Kaminkehrermeister. Er gründete am 9. Januar 1921 in Steinhöring den Verein "Die lustigen Ebrachtaler". Mit dem dreifachen Ausruf "Lusti samma!" wurde die erste Versammlung der Trachtler gekrönt. Noch im September des gleichen Jahres übernahm ein weiterer "Sepp" den Vorstandsvorsitz: der "Schmied-Sepp" aus Sensau, mit bürgerlichem Namen Josef Wurmannstetter. Im April 1921 traten dem Verein die ersten passiven Mitglieder bei. Die ersten weiblichen Mitglieder wurden im Juli/August 1921 aufgenommen. Sie hatten nur eine Aufnahmegebühr zu entrichten und ein Vereinsabzeichen zu erwerben, ansonsten waren sie beitragsfrei. 
Im Jahre 1922 trat der GTEV Steinhöring "Die lustigen Ebrachtaler" dem Inngauverband bei. 
 
Vorstandschaft 1921

1. Vorstand:

Joseph Angermayer, Ebersberg

2. Vorstand:

Josef Wurmannstetter, Sensau

1. Vorplattler:

Nikolaus Kastenmüller, Ölmuhle

1. Schriftführer:

Joseph Niedermeier, Buch

2. Schriftführer:

Bartholomäus Brandl, Sensau

1. Kassier:

Paul Niedermeier, Buch

2. Kassier:

Balth. Wurmannstetter, Sensau

1. Revisor:

Gallus Bauer, Oberseifsieden

2. Revisor:

Kaspar, Ebersberg

Vereinsmusiker:

Wilhelm Zeller, Sensau

 

josef wurmanstetter1921

Josef Wurmannstetter, 1. Vorstand vom 4. Sept. 1921 bis 3. Okt. 195
 

Im August 1922 wurde die Anschaffung einer Fahne besprochen. Die Plattlerproben fanden alle14 Tage am Sonntag um 15.00 Uhr statt. Der Beitrag wurde von bisher einer Mark auf drei Mark angehoben und der Vereinsmusiker erhielt als Spielerlohn pro Stunde eine Maß Bier. 

Im Jahre 1923 wurde die erste Fahnenweihe unter Vorstand Josef Wurmannstetter abgehalten. Josef Blieninger, Gastwirt aus Ruhensdorf, stiftete 1923 dem Verein die neue Fahne. Fahnenmutter war damals Frau Anna Moritz aus Hintsberg. Fahnenbraut Maria Maier aus Tulling. Die beiden Fahnenjunker waren Josef Deinhofer und Bermann. Als Pate stand der Trachtenverein "Stoahaus'n Kurz" München bei. 

1930 wurde bei Johann Blieninger in Ruhensdorf ein Maibaum aufgestellt als Dank für die gestiftete Fahne und die andauernde Unterstützung des Vereins.

maibaum blieninger1930

Maibaum beim Blieninger in Ruhensdorf

Im November 1935 entschloss man sich, eine Dirndltracht zu kaufen. Die letzte Vereinsaktivität vor der Auflösung des Trachtenvereins war am 12.07.1936 das Inngaufest in Degerndorf. Danach mußte sich der GTEV Steinhöring "Die lustigen Ebrachtaler" infolge der vielen Zahlungen und die von der NSDAP ins Leben gerufenen Gliederungen, auflösen.

Von der Wiedergründung 1947 bis heute  
Um den Verein am 29.03.1947 wieder ins Leben zu rufen, musste man dazu bei der Militärregierung in Ebersberg ein Gesuch zur Genehmigung einreichen. 
In der Besprechung am 29.03.1947 wurde wieder eine Vorstandschaft gewählt.
 
Vorstandschaft 29.03.1947

1. Vorstand:

Josef Wurmannstetter, Sensau

1. Vorplattler:

Otto Ebner, Steinhöring

Kassier:

Josef Bauer, Kraiß

Schriftführer:

Gallus Bauer, Oberseifsieden

Ausschußmitglieder:

Franz Abinger, Berg und Seraphin Barthuber, Tulling

Dirndlvertreterin:

Henriette Ebner, Steinhöring

 

Am 1. Mai1947 führten die aktiven Mitglieder des Vereins den Bandltanz und den Reifentanz, bei der großen Bauernkundgebung in der Sieghartsburg in Ebersberg mit Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten, Dr. Josef Baumgartner, auf.

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Teil der Aktiven bei Wiederbeginn 1947

 

Am 3. Oktober 1951 gab Josef Wurmannstetter sein Amt als 1. Vorstand, nach 30-jähriger Pflichterfüllung für den Verein ab. 

Daraufhin führte Gallus Bauer bis zu seinem Tod, am 11.September 1964 den Verein.

Für ein Jahr war Karl Volkmann und ab 1965 Konrad Baumann 1. Vorstand, unter dessen Leitung und der Mithilfe von allen Trachtlerinnen und Trachtlern, feierte man am 17./18. Juni 1967 das 45-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe. Pfarrer Stephan Pichler weihte die neue Fahne, Fahnenmutter war Maria Kelder, Fahnenbraut Zenzi Wurmannstetter und Schirmherr Baron Otto Freiherr von Feury. Als Patenverein stand wieder der Verein "Stoahaus'n Kurz" aus München zur Seite.

vereinsfahne1967

Vereinsfahne 196

fahnenweihe1967

Mitglieder bei der Fahnenweihe 1967

 

Nach 19-jähriger Pause hatten sich die Trachtler entschlossen, am 1. 5. 1968 wieder einen Maibaum aufzustellen. Der stattliche, 33Meter lange Baum fand neben dem Vereinslokal "Gasthof zur Post" seinen Platz. 

Am 31. Oktober 1969 nahm Fritz Fleidl, Niederaltmannsberg, die Arbeit als 1. Vorstand auf. Im selben Jahr gründeten Martin Daberger und Käthe Barthuber in Tulling eine Jugendgruppe. 

Sein 50-jähriges Gründungsfest feierte der Verein am 17./18. Juni 1972. Es wurde ein Heimatabend veranstaltet, bei dem zum ersten Mal die neu gegründete Jugendgruppe ihr Bestes gab. Am Sonntag war um 10 Uhr Feldgottesdient, um 14 Uhr marschierte man zum Festzug los. 29 Vereine und vier Musikkapellen beteiligten sich daran. 

Am 11.08.1976 starb unser Ehrenvorstand Josef Wurmannstetter aus Sensau. Er war bis zu seinem Tode im Verein aktiv. 

Im Oktober 1977 wurde zum ersten Mal das Kreissingen und -musizieren der Trachtenvereine im Landkreis Ebersberg in Steinhöring durchgeführt.

Folgende Musikgruppen gingen bzw. gehen aus dem Verein hervor: Geschwister Stadler, Zaißing; Steinhöringer Saitenmusi Fleidl/Treml, Schmied-Musi aus Sensau und nicht zuletzt das jetzige Ziach-Duo Hartl Veicht/Hansi Lohmeier und die Stoanaringer Saitenmusi.

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 Stoanaringer Saitenmusi

 

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Ziach-Duo Hartl Veicht und Hansi Lohmeier

 

Im Jahre 1982 wurde der Saal im Gasthof zur Post in Steinhöring (Vereinslokal) wegen Baufälligkeit geschlossen. In der Bahnhofsgaststätte beim "Ramsl Hans" fand man schließlich wieder eine neue gemütliche Herberge. 

Am1. Mai1983fand der Maibaum einen neuen Standplatz neben dem Vereinslokal. 

In München nahm der Verein am Jahrhundertfest der Trachtenverbände am 3.Juli 1983 teil.

1.vorstand fritz fleidl1983

1. Vorstand Fritz Fleidl im Kreise einiger aktiver Dirndl beim Jahrhundertfest in München 1983

 

Im Oktober 1989 legte 1. Vorstand Fritz Fleidl sein Amt nach 20 Jahren nieder. Sein Amt übernahm der bisherige 2. Vorstand Hartl Veicht. 

Im September 1990 gab sich der Verein eine neue Satzung und wurde als gemeinnützig eingetragen. 

Zum 70-jährigen Gründungsfest lud dann der Verein am 8. und 9. Juni 1991 ein. Am Samstagabend wurde ein großer Heimatabend abgehalten.

Zu dem am Sonntag um 14.00 Uhr angesagten Festzug erschienen 2.624 Trachtlerinnen und Trachtler, aufgeteilt in fünf Züge.

Um 10.00 Uhr vormittags wurde der Feldgottesdienst im Garten des Betreuungszentrums abgehalten. 

1991 gehörten 104 Mitglieder und 42 Kinder dem Trachtenverein an. 

Vorstandschaft 1991 

1. Vorstand:

Leonhard Veicht

2. Vorstand:

Franz Treml

1. Kassier:

Irmgard Lechner

2. Kassier:

Rupert Treml

1. Schriftführer:

Maria Kulp

2. Schriftführer:

Elisabeth Treml

1. Vorplattler:

Franz Volkmann

2. Vorplattler:

Martin Maier

1. Jugendleiter:

Hedwig Fleidl

2. Jugendleiter:

Katharina Obermaier

 

gruppenbild1991

 

die aktiven1991

 

gewandarten

 

kindergruppe

 

Die Höhepunkte und größeren Ereignisse der zurückliegenden 70 Jahre wurden in der Chronik aufgezeigt. Was aber nicht erscheint, sind die vielen Festbesuche im Inngauverband, auf  Landkreisebene und in der Gemeinde. Die Wallfahrt nach Schwarzlack, das alljährige Gartenfest, die Teilnahme beim Preisplattl'n und -drahn, Hochzeiten, Geburtstage und zu guter Letzt die Fahrt ins Blaue. Für die weiteren Jahre ist dem Verein zu wünschen, daß sich immer wieder Buam und Dirndl im Trachtenverein zusammenfinden, um die alten Sitten und Gebräuche und die Liebe zum Heimatland mit großer Freude zu achten und zu pflegen. 

Als Abschluss unserer Chronik möchten wir auch ein paar erklärende Worte zu unserer Miesbacher Tracht abgeben. Unser "Blauzeig", aus dem der Rock und das blaue Laibe hergestellt ird, ist ein Halbwollstoff, ebenso das schwarze Oberteil bei den Kindern bzw. bei den Frauen das schwarze Mieder, das mit einer Erbskette geschnürt wird. Darauf getragen wird das "WeißZeig" mit Spitzeneinsätzen. Bei den Kindern ist es halt ein Dirndlgwand, bei den Frauen die Volltracht. Grundsätzlich gibt es bei uns im Verein keinen Unterschied zwischen Verheirateten- und Ledigen-Gwand, außer daß die Ledigen ihr Schürzei links binden und die Verheirateten rechts. Bei unseren Männern und Buam gibts halt die "Kurze" und a' schwarze lange Hosn. Eine besondere Form hat der Hut unserer Männer. Dies ist ein "Scheiberling" der halbmondförmig eingedrückt ist.

Stand 2016:
Zurzeit gehören 160 Erwachsene und 30 Kinder/Jugendlichen dem Trachtenverein an.
Die Höhepunkte und größeren Ereignisse des Trachtenjahres sind seit 2015 der Trachtenjahrtag am weißen Sonntag, der Bittgang nach Meiletskirchen mit Maiandacht am letzten Sonntag im Mai, die Festbesuche im Inngauverband, auf Landkreisebene und in der Gemeinde.
 
Die Wallfahrt nach Schwarzlack, die Teilnahme beim Preisplattl`n – und drahn, Leonhardifahrt in Grafing, Hochzeiten, Geburtstage und Vereinsausflüge.
Zum 90jährigen Bestehen des Vereins wurde die Stoanaringa Verheiratetentracht eingeführt. Hauptinitiatorin war hierbei war Maria Veicht.
Die Aktiven bekamen eine neue Tanztracht. Bei Auftritten wird jetzt eine hellblaue Seidenschürze und ein gestecktes Schultertuch mit Fransen zur Tracht getragen.  
Das 90jährige Gründungsfest wurde vom 17. bis 20. Juni 2011 auf Landkreisebene gefeiert. Am Freitagabend war nach der Totenehrung am Kriegerdenkmal Bieranstich im Festzelt. Beim Festabend war für jeden etwas dabei, unter dem Motto: Boarisch g´sunga, g´spuit und tanzt!. Mitwirkende waren hiesige  Musik- und Gesangsgruppen und zum Tanz auf`gspuit ham uns die Jungen Riederinger Musikanten. Am Samstagabend wurde das Bürgerfest mit den „De Richtig`n“ abgehalten. Am Festsonntag war man schon früh auf den Beinen zum Weckruf, um unseren Schirmherren, den 1. Bürgermeister Alois Hofstetter und seine Gattin Maria mit unserer Festkapelle, der Steinhöringer Blasmusik, zu Wecken. Beim Kirchenzug und der Festmesse beim Maibaum hielt das Wetter noch aber pünktlich zum Rückzug ins Festzelt hatte der Wettergott kein Erbarmen mehr mit den annähernd 1000 Trachtlerinnen und Trachtlern und ließ alle Wolken platzen. Leider musste auch der Festzug wetterbedingt ausfallen, was aber der Stimmung im Festzelt keinen Abbruch tat. Bis in den späten Abend hinein wurde mit Ehrtänzen und Plattlern der 90. Geburtstag des Vereins gefeiert. Zum Festausklang am Montagabend spielte die Frauenneuhartinger Blaskapelle zu den zahlreichen Plattlereinlagen zünftig auf. Bei einem Kesselfleischessen hat man selten ein so volles Bierzelt gesehen, alle haben sich gewundert, wo die Küche (Loidl, Aibling) das ganze Essen hergebracht hat.
 
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